Umsetzung der EU-Hochwasserrichtlinie

Szenario: Ein plötzlich aufbrausendes Hochwasser "beisst" einen Teil eines Wohnhauses ab, das im Überflutungsbereich errichtet wurde. Die Hochwasserrichtlinie möchte erreichen, dass Österreichs Bürger künftig besser über Hochwasserrisiken informiert und in das Hochwasser-Risikomanagement eingebunden werden. 
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WIEDERANSIEDELUNG VON ELRITZEN IM TRAUN-, FUSCHL- UND ERLAUFSEE

Im Zuge der Untersuchungen und fischökologischen Zustandsbewertungen der österreichischen Seen entsprechend der EU-Wasserrahmenrichtlinie zeigten sich in einigen Seen Defizite in der Fischartengemeinschaft, welche zu einer mäßigen Zustandsbewertung und daraus abgeleitet zu einem Handlungsbedarf führten. Oftmals betrafen diese Defizite die Kleinfischarten und von dieser Gruppe besonders die Elritze.

Es zeigte sich, dass die Elritzenbestände (Phoxinus phoxinus) in vielen österreichischen Seen innerhalb der letzten 50 Jahre massiv zurückgegangen und oftmals völlig verschwunden sind. So konnten im Zuge der EU-WRRL-Fischbestandserhebungen in 38 Prozent der bisher untersuchten österreichischen Seen (Seesaiblingsseen und Elritzenseen) die dort ursprünglich vorhandenen Elritzen nicht mehr nachgewiesen werden Oftmals verlief dieser Bestandseinbruch und Verlust relativ unbemerkt, da Kleinfischarten wie die Elritze fischereiwirtschaftlich und angelfischerlich einen geringen Stellenwert haben. Aus ökologischer Sicht sind sie jedoch für ein Gewässer sehr wertvoll und darüber hinaus Leitfischart für den Seentyp „Elritzensee“.

Der Rückgang der Elritzenbestände lässt sich schlecht auf eine einzige Ursache zurückführen und dürfte auch unterschiedliche Ursachen an den jeweiligen See haben. Nach derzeitigem Wissensstand könnte eine Kombination aus gestiegener Wassertemperatur und zusätzlich eingebrachten Raubfischen dem Elritzenbestand massiv zugesetzt haben. Elritzen sind relativ kurzlebig (3-5 Jahre in der freien Natur) und leben bevorzugt in kühlen, sehr flachen, ufernahen, zumeist schottrigen Habitaten. Die Eier entwickeln sich bis 16°C problemlos (Küttel, Peter & Wuest 2001). Ab 23°C steigt die Mortalität für juvenile und der kritische obere Temperaturbereich für Adulte beginnt ebenfalls bei 23°C (Küttel, Peter & Wuest, 2001). In den Uferbereichen unserer Seen, welche aufgrund des Klimawandels in den letzten 40 Jahren im Schnitt 2°C wärmer wurden, wird diese Temperatur im Sommer langfristig überschritten. Dadurch müssen die Elritzen in tiefere, kühlere Wasserschichten ausweichen und sind dort einem erhöhten Fraßdruck ausgesetzt. Weitere negative Auswirkungen auf die Elritzenbestände konnten im vermehrten Badebetrieb, im massiven Fang von Elritzen als Köderfische (mittlerweile verboten) oder in Nachwirkungen der Eutrophierungsphase in den 1970/80er Jahre zu finden sein.

Für Traun-, Fuschl- und Erlaufsee ist das Vorkommen der Elritze historisch gut dokumentiert Bis in die 1970er Jahre wurden auch noch Vorkommen von Elritzen seitens der fischereilichen Bewirtschafter dieser Seen erwähnt. Bei den WRRL-Befischungen von Traunsee und Erlaufsee gelang jedoch trotz beträchtlichem Untersuchungsaufwand mit unterschiedlichen Befischungsmethoden kein Nachweis mehr und diese Fischart gilt nunmehr als verschollen.

Ziel der vorliegenden Studie ist die Wiederansiedelung von Elritzen im Traun-, Fuschl- und Erlaufsee. Dafür werden (1) geeignete Habitate für Elritzen erhoben, (2) in der Fischzuchtanstalt Kreuzstein ein Mutterfischbestand aus dem jeweiligen Einzugsgebiet aufgebaut, (3) Elritzen nachgezüchtet, (4) diese an den geeigneten Stellen über 5 Jahre jährlich besetzt und (5) am Ende eine Erfolgskontrolle durchgeführt.

Im Jahr 2015 wurden die Vorarbeiten abgeschlossen und ein Mutterfischbestand in unserer Fischzuchtanstalt Kreuzstein aufgebaut. Für den Fuschl- und Traunsee stammen die Mutterfische aus dem Hallstätter See und Vorderen Langbathsee. Die Mutterfische für den Erlaufsee entstammen dem Hubertussee bei Mariazell. Die Mutterfischstämme konnten gut an die Fischzuchtbedingungen adaptiert werden, sie werden in Rundbecken gehalten und mit einer speziellen Futtermischung gefüttert. Im Mai/Juni 2016 laichten die Elritzen erstmals in der Anlage ab. Die Eimenge und -qualität waren zufriedenstellend (außer der Menge für den Erlaufsee) und es wurde daraus die benötigte Menge an einsömmrigen Besatzfischen aufgezogen.

Im Sommer 2016 wurden an Traun- und Fuschlsee geeignete Besatzstellen ausgewählt. An diesen Stellen wurden vor dem Elritzenbesatz Temperaturlogger (Fa. ONSET) in einer Wassertiefe zwischen 40 cm und 60 cm montiert. Diese messen nun stündlich die Temperatur im Besatzbereich. Etwa halbjährlich müssen die geloggten Daten ausgelesen werden.

Für den ersten Besatz wurden für den Traunsee 20.000 Stück (28.09.2016) und für den Fuschlsee 10.000 Stück (03.10.2016) einsömmrige Elritzen vorbereitet. Die Fische wurden in Plastiksäcken verpackt zu den Seen transportiert und dort auf das Boot umgeladen. Per Boot wurden die Elritzen dann zu den jeweiligen Besatzstellen transportiert, schonend an die Wassertemperatur adaptiert und freigelassen.

Jene Mengen die für den Frühjahrsbesatz 2017 (einjährige Elritzen) geplant sind (Traunsee 20.000 Stück; Fuschlsee 10.000 Stück; Erlaufsee 5.000 Stück), werden derzeit in unserer Fischzuchtanlage Kreuzstein gehalten und gefüttert. Die Mutterfische bleiben weiterhin in unserer Fischzuchtanlage und mit diesen werden die zukünftig benötigten Besatzmengen produziert.

Am Erlaufsee sind für Frühjahr 2017 die Auswahl der Besatzstellen, die Loggermontage und der Erstbesatz geplant. Dann läuft das Programm an allen Seen mit dem Herbstbesatz weiter.

Foto; Einige Elritzen beim Einsetzen unter Wasser, es sind Steine und Äste zu sehen
Abb. 4 : Typische Besatzstelle beim Einsetzen der Elritzen

Foto; einige Äste unter Wasser, ein weißer Temperaturlogger ist erkennbar
Abb. 5 : Temperaturlogger montiert an der Besatzstelle

Literatur: Küttel S., Peter A. & A. Wuest (2002): Temperaturpräferenzen und-limiten von Fischarten Schweizerischer Fließgewässer. Rhone Revitalisierung, Publikation 1, 44pp.